Stell dir vor, du öffnest eine Flasche Wein - doch statt nur Trauben und Hefe, enthält sie auch Cannabis. Klingt wie Science-Fiction? Doch seit einigen Jahren gibt es tatsächlich Getränke, die Alkohol und Cannabis kombinieren. Die Frage ist nicht mehr Cannabiswein, ob es ihn gibt - sondern: Was ist drin, wie wirkt es, und ist es legal?
Was ist Cannabiswein wirklich?
Cannabiswein ist kein traditioneller Wein, wie du ihn aus der Weinhandlung kennst. Er wird nicht aus cannabisbefallenen Reben gewonnen - das gibt es nicht. Stattdessen wird Cannabis-Extrakt, meist CBD oder THC, in bereits hergestellten Wein eingemischt. Die Trauben werden normal fermentiert, dann wird ein ölhaltiger Cannabinoide-Extrakt hinzugefügt. Da THC und CBD fettlöslich sind, braucht man ein Trägermedium wie MCT-Öl oder Lecithin, damit sie sich im Wein verteilen und nicht oben schwimmen.
Einige Hersteller nutzen auch Nano-Emulsionstechnik, um die Cannabinoide feiner zu verteilen. Das sorgt dafür, dass der Geschmack weniger wachsartig wirkt und die Wirkung schneller eintritt. Einige Produkte schmecken wie normaler Wein, andere haben einen leicht erdigen, bitteren Unterton - je nach Extrakt und Dosierung.
Wie wirkt Cannabiswein im Körper?
Wenn du Cannabiswein trinkst, wirken zwei Substanzen gleichzeitig: Alkohol und Cannabinoide. Beide beeinflussen das zentrale Nervensystem - aber auf unterschiedliche Weise. Alkohol hemmt die Gehirnaktivität, führt zu Entspannung, aber auch zu Koordinationsstörungen. THC aktiviert die CB1-Rezeptoren im Gehirn und löst ein Gefühl von Euphorie, Entspannung oder manchmal auch leichte Verwirrung aus.
Die Kombination kann stark sein. Einige Nutzer berichten von einer intensiveren, länger anhaltenden Wirkung als bei Rauchen oder Essen von Cannabis. Das liegt daran, dass der Alkohol die Aufnahme von THC über die Darmwand beschleunigt. Die Wirkung setzt oft nach 30-60 Minuten ein und hält bis zu sechs Stunden an - deutlich länger als beim Rauchen.
Einige Menschen nutzen Cannabiswein zur Entspannung nach dem Arbeitstag, andere zur Linderung von Schmerzen oder Schlafstörungen. Doch Vorsicht: Die Kombination kann auch zu Schwindel, Übelkeit oder verstärkter Benommenheit führen - besonders bei unerfahrenen Nutzern oder hohen Dosen.
Wo gibt es Cannabiswein?
In Deutschland ist Cannabiswein mit THC aktuell illegal. Auch wenn CBD-Produkte seit 2022 unter strengen Grenzwerten erlaubt sind (max. 0,2 % THC), ist die Zugabe von Cannabinoiden zu alkoholischen Getränken gesetzlich verboten. Die Bundesopiumstelle und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sehen in solchen Produkten ein unzulässiges Risiko, besonders bei Kombination mit Alkohol.
In den USA ist das anders. In Kalifornien, Colorado und Oregon gibt es mehrere Marken, die Cannabiswein legal verkaufen - etwa High Society Wines oder CannaVino. Dort sind sie als „cannabis-infused beverages“ reguliert, mit klaren Kennzeichnungen, Dosierungsangaben und Altersbeschränkungen (21+). In Kanada und einigen europäischen Ländern wie der Schweiz oder den Niederlanden gibt es ähnliche Produkte - aber nur in speziellen Cannabis-Shops und mit offizieller Zulassung.
In Deutschland findest du zwar Produkte mit CBD, die sich als „Wein“ verkaufen - aber sie enthalten meist nur Spuren von Cannabinoiden, die nicht wirksam sind. Oft sind es Marketingtricks, die auf den Trend setzen, ohne echte Wirkung zu bieten.
Wie wird Cannabiswein hergestellt?
Die Herstellung ist komplex und erfordert spezielle Technik. Ein klassischer Wein wird aus Trauben gepresst, fermentiert und abgefüllt. Danach kommt der Cannabis-Extrakt hinzu. Dieser wird oft aus Hanfblüten mit CO₂-Extraktion gewonnen - eine Methode, die reine, solventfreie Öle ergibt.
Der Extrakt wird dann mit einem Emulgator vermischt, damit er sich im Wein verteilt. Ohne Emulgator schwimmt das Öl oben - und du bekommst eine ungleichmäßige Dosis: Ein Schluck ist wirkungslos, der nächste stark. Einige Hersteller verwenden auch Mikro- oder Nano-Emulsionen, die die Cannabinoide so klein machen, dass sie sich wie Wasser im Wein verteilen.
Die Dosierung ist entscheidend. Ein typischer Cannabiswein enthält 5-10 mg THC pro Flasche - vergleichbar mit einem halben Cannabis-Edible. CBD-Weine enthalten oft 20-50 mg CBD, ohne psychoaktive Wirkung. Die Flasche wird dann mit einer speziellen Versiegelung abgefüllt, um Licht und Luft auszuschließen - Cannabinoide sind licht- und wärmeempfindlich.
Warum ist Cannabiswein so umstritten?
Die Kritik kommt von mehreren Seiten. Mediziner warnen vor der Kombination von Alkohol und THC: Beide wirken depressiv auf das zentrale Nervensystem. Studien zeigen, dass die Kombination das Risiko für Unfälle, Gedächtnisstörungen und Abhängigkeit erhöht - besonders bei jungen Erwachsenen.
Die Lebensmittelindustrie hat Bedenken: Alkoholische Getränke unterliegen strengen Qualitäts- und Kennzeichnungsvorschriften. Cannabinoide sind keine zugelassenen Lebensmittelzusätze. Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat CBD in Getränken bisher nicht als sicher eingestuft - außer in speziellen Nahrungsergänzungsmitteln mit strengen Grenzwerten.
Auch die Weinwelt lehnt ab. Traditionelle Weingüter sehen Cannabiswein als Verfälschung der Kultur. „Wein ist ein Produkt der Erde, der Zeit und der Handarbeit“, sagt ein renommierter Winzer aus Baden. „Cannabis ist kein Zutat - es ist eine Droge. Das hat hier nichts verloren.“
Was ist mit CBD-Wein?
CBD-Wein ist die legalere Variante - aber auch hier gibt es Grauzonen. In Deutschland ist CBD in Lebensmitteln erlaubt, wenn es aus EU-zugelassenem Hanf stammt und der THC-Gehalt unter 0,2 % liegt. Doch die Einmischung in alkoholische Getränke ist nicht explizit erlaubt. Viele Hersteller nutzen diese Lücke und verkaufen CBD-Wein als „Beruhigungstrank“ oder „Entspannungsgetränk“.
Einige Produkte enthalten nur 5 mg CBD pro Flasche - das ist kaum wirksam. Andere haben 30 mg, was bei manchen Menschen eine spürbare Wirkung hat: weniger Anspannung, bessere Schlafqualität. Doch es gibt keine standardisierten Tests, keine zertifizierten Labore, die die Dosierung garantieren. Du weißt nie genau, was du trinkst.
Was viele nicht wissen: CBD kann auch mit Alkohol interagieren. Es hemmt bestimmte Leberenzyme, die Alkohol abbauen. Das kann dazu führen, dass Alkohol länger im Körper bleibt - und die Wirkung verstärkt wird.
Was ist die Zukunft von Cannabiswein?
Die Nachfrage nach alternativen, beruhigenden Getränken wächst. Besonders unter jüngeren Erwachsenen ist Alkohol nicht mehr der Standard. Viele suchen nach „sozial verträglichen“ Alternativen - Getränken, die entspannen, ohne betrunken zu machen. Cannabiswein könnte da eine Rolle spielen - wenn es reguliert wird.
Einige Experten glauben, dass Deutschland in den nächsten fünf Jahren eine gesetzliche Regelung einführen könnte - ähnlich wie in Kanada. Dann gäbe es klare Grenzwerte, Prüfungen, Etiketten und Verkaufsbeschränkungen. Bis dahin bleibt Cannabiswein ein Nischenprodukt - oft illegal, oft unklar, oft riskant.
Wenn du es ausprobieren willst: Lies die Etiketten. Suche nach Laborberichten (COA - Certificate of Analysis). Vermeide Produkte ohne Angabe von THC/CBD-Gehalt. Und trink nie auf leeren Magen - besonders nicht mit Alkohol kombiniert.
Was ist der Unterschied zu Cannabis-Bier?
Cannabis-Bier ist ein anderes Produkt. Hier wird Cannabis oft während des Brauvorgangs hinzugefügt - ähnlich wie Hopfen. Einige Brauereien in den USA verwenden Hanfsamen oder -extrakte, um einen erdigen Geschmack zu erzeugen. Aber auch hier: Nur wenige enthalten wirkungsvolle Mengen THC oder CBD. Die meisten sind „flavor-infused“ - also nur nach Cannabis geschmacklich, aber nicht wirksam.
Einige Biersorten enthalten CBD - und sind legal, wenn sie unter 0,2 % THC liegen. Aber Bier hat weniger Alkohol als Wein, was die Wirkung mildert. Wein ist konzentrierter - und damit potenziell stärker.
Gibt es in Deutschland legalen Cannabiswein mit THC?
Nein. In Deutschland ist der Verkauf von alkoholischen Getränken mit THC illegal, unabhängig von der Menge. Auch wenn Cannabis in anderen Formen (z. B. als CBD-Öl) erlaubt ist, ist die Mischung mit Alkohol gesetzlich verboten. Produkte, die das behaupten, sind entweder illegal oder enthalten nur unwirksame Spuren.
Kann CBD-Wein helfen, besser zu schlafen?
Einige Menschen berichten von besserem Schlaf nach dem Trinken von CBD-Wein, besonders wenn sie unter Stress oder Schmerzen leiden. CBD wirkt beruhigend auf das Nervensystem, ohne berauschend zu sein. Doch die Wirkung ist individuell - und die Dosierung in den meisten Produkten ist zu niedrig, um eine klare Wirkung zu haben. Studien zeigen, dass mindestens 25-50 mg CBD nötig sind, um schlaffördernd zu wirken - viele CBD-Weine enthalten nur 10-20 mg.
Ist Cannabiswein gefährlicher als normales Wein?
Wenn es THC enthält, ja - besonders in Kombination mit Alkohol. Beide Substanzen wirken depressiv auf das zentrale Nervensystem. Die Kombination kann zu stärkerer Benommenheit, Gedächtnisproblemen, Koordinationsstörungen und erhöhtem Unfallrisiko führen. Selbst bei CBD kann es zu unerwarteten Wechselwirkungen kommen, da CBD die Leberenzyme beeinflusst, die Alkohol abbauen. Langfristig ist die Wirkung noch nicht ausreichend erforscht.
Wo kann man Cannabiswein legal kaufen?
In Deutschland nicht legal. In den USA (z. B. Kalifornien, Colorado), Kanada, der Schweiz und den Niederlanden gibt es zertifizierte Anbieter, die Cannabiswein in speziellen Shops verkaufen - mit Altersnachweis und klaren Kennzeichnungen. Achte immer auf Laborberichte und offizielle Zulassungen. Online-Käufe aus dem Ausland sind riskant und oft illegal.
Wie erkenne ich, ob ein CBD-Wein wirksam ist?
Schau auf das Etikett: Die Cannabidiol-Menge muss in Milligramm (mg) angegeben sein - nicht nur „mit CBD“ oder „Hanf-Extrakt“. Suche nach einem COA (Certificate of Analysis) vom Hersteller, der die genaue Konzentration von CBD und THC bestätigt. Ein wirksames Produkt enthält mindestens 25 mg CBD pro Flasche. Wenn du nach 60-90 Minuten keine Wirkung spürst, ist die Dosis zu niedrig oder das Produkt schlecht hergestellt.
Schreibe einen Kommentar